Montag, Januar 14, 2013

Winternacht

Einsam schnaufte das Schwein in der Nacht, während es mit der Schnauze über das schiere Eis schubberte, das tags zuvor noch eine Pfütze war, aus der es trinken konnte, stieß mit jedem Schnaufer kleine Dampfwolken aus, die noch kurz in der eisigen Luft hingen, ehe sie zerstoben. Steif gefrorne Äste zitterten in der leichten Brise. Wer seine Finger nicht in dicke Handschuhe gehüllt hatte, konnte fürchten, dass sie frosthart würden, in der klirrenden Kälte zerspringen und in tausend Teilen zu Boden fallen, während hoch über den Köpfen im Nachtdunkel funkelnde Sterne ihre Bahnen zogen.


Dienstag, Januar 08, 2013

Newton und die Kissenburg

Frei haben, lange schlafen, mit frisch duftendem Kaffee nochmal ins Bett zurückziehen und gute Romane lesen, dem lieben Gott freistellen, ob er ein guter Mann sein möchte: Ich bin ein großer Freund von Urlaub. Am Ende jeden Urlaubs aber fällt die Wiedereingewöhnung schwer, und zu kaum einem anderen Zeitpunkt wird in meinem Leben deutlich, wie recht Isaac Newton mit seinem Trägheitsprinzip hatte. Dass alle Körper in ihrem Bewegungszustand zu verharren, solange keine äußere Kraft auf sie einwirkt. Hätte der Wecker mit seinem hysterischen Schrillen mich nicht siebenmal aus süßen Träumen gerissen, mit all der Kraft seines grellen Gepiepes: Ich würde vermutlich noch in Stunden reglos verharren, in die Kissenburg gekuschelt, unter Decken geschmiegt.

Mittwoch, November 14, 2012

Weetabix zu Heuballen

Großartig: Wenn aus Frühstücksflocken Landschaften werden. Surrealismus war gestern - "Cerealismus" ist, was Ernie Buttons fotografiert.










Sonntag, Juni 17, 2012

Klatsch!



Ob es für die deutschen Gegner nun Klatschen hagelt?

Die Fliegen mordende Industrie hat sich zumindest auch den Nationalfarben verschrieben, zurzeit. Auf zum Angriff?!

Samstag, Mai 26, 2012

Poetisches Politgegrantel


Günter Grass hat schon
wieder ein Gedicht geschrieben, und ich frage mich,

warum seit geraumer Zeit  eigentlich jeder Text lyrisch genannt werden darf,
nur weil die politische Prosa darin an un
typischen Stellen um
brochen ist
oder in
kurze,
verszeilenartige Absätze geknetet wird.

Samstag, Mai 12, 2012

Leises Adieu


Kurz nach ihrem letzten Hauch wehten milde Windböen ums Haus, als drehte ihre Seele noch eine Ehrenrunde, ehe sie zum Himmel hinaufflog. Die Blätter in den Kastanien raschelten zum Abschied, die frischgrünen Zweige und Äste wogten sanft, als winkten sie hinterher, und aus den Blütentrauben rieselten weiße Blättchen. Vielleicht war dies ein letztes Zeichen, ein Adieu-Sagen. Ein stiller Gruß, auf den man heimlich hofft. So, wie angeblich in der Sekunde des letzten Atemzugs mitunter Uhren stehengeblieben sind, Blumen all ihre Blätter von sich geworfen haben und verwelkt sind, der Strom im Haus ausgefallen ist. Man liest so etwas immer wieder, und vielleicht hängt es mit der Hoffnung zusammen, dass da Mehr ist, dass etwas bleibt, auch wenn das Leben geschwunden ist, dass die Verbindung nicht abreißt, auch wenn sie unsichtbar geworden ist und der einst lebendige Körper sich nie wieder bewegen wird, nicht zurückkehrt, als sei nichts gewesen, die gemeinsame Geschichte beendet ist und an diesem Ort, in diesem Leben keine Fortsetzung mehr bekommen wird.

Spätestens, wenn es vorbei ist, wenn nichts das Leben zurückbringt, fühlt sich die gemeinsame Zeit plötzlich zu kurz an, mögen es auch fast hundert Jahre gewesen sein, und der Reflex erwacht, zu sagen, ich wäre gern bei ihr, dabei ist die einzige Region, in der wir sicher zusammentreffen könnten, die Vergangenheit, das Nichtsein, das einst gewesen ist, das nur noch verblassend in der Erinnerung aufschimmert. Und plötzlich, machtvoll, drängen die vermeintlichen Versäumnisse ins Bewusstsein, all die eigenen Wünsche, die an die Gegangene geknüpft waren. All die schönen, innigen Dinge, die man noch sagen wollte, für die man aber zu spät gekommen ist, weil man das mögliche Ende der Geschichte ausgeblendet hatte und den Zeitpunkt immer wieder verpasste. All die Dinge, die man gern noch gemeinsam verwirklicht hätte, die Treffen, auf die man sich gefreut hätte, und die nicht mehr sein werden. Die aufheulende Hilflosigkeit, weil man selbst eben nicht in der Hand hat, zu entscheiden, wann der Abschied sein wird. Weil er an egal welchem Zeitpunkt unvorbereitet und gefühlt zu früh kommt, egal wie deutlich die Anzeichen waren. Bis zum letzten Atemzug bleibt die Hoffnung, sie möge sich noch einmal berappeln, zu neuer Stärke finden, freudig am Leben teilhaben, auch wenn vieles längst aus ihrem Leben geschwunden war, nach fast hundert Jahren. Die alten Freunde und Nachbarn? Längst gegangen. Das Augenlicht? Zu matt, um noch lesen oder fernsehen zu können. Zu schwammig geworden, um überhaupt noch die Spielhütchen auf dem Mensch-Ärgere-Dich-Nicht-Brett zu erkennen, so gern sie dies Mal um Mal gespielt hat. Auch die Strickmaschen waren kaum noch erkennbar, sodass sich auch das Lieblingshobby vor Jahren bereits aus dem Leben verabschiedet hatte. Klapprig, zittrig geworden, musste der wachgebliebene Geist den Abschied der Kraft, das Erschlaffen erkennen, während er selbst sich noch stark ans Leben klammerte, wach, rege. Doch blieben so gleichförmige Tage auf dem Sofa, das Kinn in die Hand gestützt, in ewigen Rückwärtsschleifen, hin zu längst Gewesenem, gerade weil im Jetzt nur noch wenig mehr passierte als Essen, Schlafen, Waschen, Kaffeetrinken. Man hätte es ihr anders gewünscht.

Und doch oder gerade deswegen bleibt die Trauer darüber, dass die Gegangene alles Künftige verpassen wird, Pläne unvollendet lassen muss. Der Leib liegt reglos da, wird fortgebracht, ein letztes Mal schön geschminkt, unter Stoff in Holz gebettet, während im Küchenschrank noch das Graubrot liegt, das sie sich sonst zum Abendbrot geschmiert hätte, während in der Wohnzimmervitrine die halb gegessene Tafel Schokolade wartet, von der sie nie wieder ein Stück abbeißen wird. Der Roman mit Lesezeichen wird kein Stück mehr vorankommen - auch wenn er das selbst zu Lebzeiten nicht mehr gekommen wäre, zu matt, zu milchig, zu verschwommen waren die alten, müden Augen ja bereits geworden. Die Medikamente sind noch da, in Teilen ungenommen und sinnlos geworden, die Brille, durch die kaum jemand sonst sehen kann, die vielen, kleinen Gegenstände, die man kaum berühren mag, die man noch weniger wegräumen mag, als wäre es Diebstahl, der gesamte erstarrte Raum der Wohnung, den man am liebsten so bewahren möchte wie er ist, auch wenn dies nur leblosen, starren Stillstand bedeutete, in den das vorherige Leben nie zurückkehren wird. Vielleicht gerade deswegen ist der Wunsch so rege, dass die Seele nur wandert, ihren vorherigen Ort verlassen hat und die Verbindung nun in ein neues Versteck geht, unsichtbar, vielleicht fern, vielleicht nah. Hin zu einem Ort, wo es ihr hoffentlich gut geht, in dessen Nähe vielleicht all die sind, die sie zu Lebzeiten selbst lassen musste, und von wo aus sie kleine Zeichen zurück ins Leben, auf die Welt, schicken kann - vielleicht, indem sie die Blüten der Kastanien tanzen lässt, die Baumkronen bauscht, so als winke sie. Und wir winken zurück, im Angedenken, flüstern all das Ungesagte in den Wind, in der Hoffnung, dass er es zu ihr ins Versteck tragen wird und noch ein wenig mitbekommt vom Leben, das sich fortsetzt an den Orten, wo sie ihre Geschichte gelebt hat, die mit dem letzten Atemhauch das Ende fand. Und in die milden Böen hinein fällt Regen.

Sonntag, April 08, 2012

Frohe Ostern!

Mittwoch, März 14, 2012

Morgenstund war pleite. Ist deshalb zum Zahnarzt gegangen, hat sich alle Goldzähne rausnehmen lassen und sie bei einem windigen Altgoldhändler verschachert. Morgenstund hat stattdessen nun Keramik im Mund. Weil der Händler aber weit unter Marktpreis angekauft hat, musste Morgenstund am Ende sogar draufzahlen.

Donnerstag, März 08, 2012

Das Lied des Renovierens






















Der Putz kreischt, schreit rhythmisch auf, während der Spachtel schräg auf ihn einschlägt, immer wieder, wenn Metall an Kalk schabt. Papier ratscht. Tapete. Mal knurrend, in großen Stücken, oft nur in kleinen Fitzeln. Dann, wenn der Spachtel flach einhackt, sich unter die störrischen Schichten zwängen soll. Schwisch. Klatsch. Der Quast wischt über die Farbe, Schwung für Schwung, um die festgeklebten Bahnen zu tränken, auf dass sie sich vollsaugen, an Halt verlieren und den Widerstand aufgeben, sich packfest an die Wand zu klammern. Mehr als nur einmal lauert ein raschelndes Geheimnis, wenn der Kleber sich löst und das Papier fällt. Da bröselt Putz, da klackern Brocken hinaus, da klaffen Löcher, über die scharf ratschend der weit größere Mörtelspachtel schaben muss. Da rauscht seit Jahren nicht weggeputzte Asche kiloweise aus dem Schornsteinschacht, und Du riechst wie ein kirgisisches Braunkohlekraftwerk. Du wischst Dir Tapetenfetzen von der Stirn, zupfst Farbplacken aus den Augenbrauen, grummelst, fluchst, die Nerven sirren, der Puls puckert.

Das Lied des Renovierens hallt im Hinterkopf nach, wenn Du aus Träumen hochschreckst, geweckt von wirbelnden Gedanken, die aufschrillen, die "Vergiss mich bloß nicht!" schreien, die "Denke dran" knödeln, die in wilden Strichen schraffieren, was alles noch passieren kann, was schiefgehen könnte, die skizzieren, was alles noch vor Dir liegt. Das, was sich entweder zum gefühlten Gebirge auftürmt oder Dich wie ein Malmstrom strudelnd hinabreißt. Das, was eisig hochkriecht, wie eine kalte Quelle am Grund eines warmen Sees aufwallt und Dich packt, was den Puls aus den Tiefen der Ruhe hochjagt, Dich ins Trudeln bringt, wenn Du nicht schnell genug gegensteuerst, inmitten von Gedanken, die wie ein Schwarm Mücken an einem warmen Sommerabend über Dir hängen, blutdurstig, stechwütig. Du wälzt Dich nach links, winkelst Die Arme übereinander, zerrst die Decke über den Kopf, gräbst Dich tief in Kissen, doch es juckt hinterm Ohr, die Armbeuge schmerzt, schläft ein (anders als Du), Du drehst Dich nach rechts, doch so liegt es sich auch nicht gut, und irgendwann, Momente, bevor der Wecker klingelt, findest Du Deine Ruhe wieder, nickst ein, ehe der neue Tag beginnt, gebraucht wie die alten Tapeten, die Du auch heute wieder abreißen wirst. "Wer erneuert mich selbst bloß nach all dem Renovieren?", fragst Du Dich, und dann packst Du wieder den Spachtel und das Lied des Renovierens erklingt von vorn.

Montag, März 05, 2012

Betörende Klangwildnis aus der Schwiiz

Wäre er damals nur nicht tauchen gegangen, zwischen den Schären bei Stockholm, an diesem Tag im Juni vor dreieinhalb Jahren. Nun, er hätte Monate später beim Brötchenholen stolpern können, auf die Fahrbahn strumpeln und von einem Betonmischlaster überfahren werden können. Er hätte sich an der Tankstelle eine Kippe anzünden können, den Laden in die Luft jagen und von der Explosion hingerafft werden, von einem herabfallenden Wasserspeier aus Stein erschlagen... oder höchstselbst in die Tasten hauen können beim Festival der Konjunktive. Doch Esbjörn Svensson ging im an diesem Tag Sommer 2008 tauchen, und er tauchte nicht wieder lebendig auf, wurde unweit des Stegs reglos, leblos unter Wasser gefunden, mit schweren Verletzungen am Kopf. Seitdem klafft ein Loch am Rande des Jazz. An der Stelle, die Puristen meiden, wo sich die Neugierigen aber scharen. Dort, wo Rock, TripHop, Elektronik, Pop-Melodien, knackige Grooves und Experimentierfreude wirbeln und mit frischem Wind Staub vom alten, in Gediegenheit erstarrten Jazz fegen.

Nun gab es durchaus auch Andere, die sich getraut haben. Die Brachial-Rumpler von "Bad Plus" etwa. Die Neugierigen im Grenzgebiet raunen nun aber von einer wunderbaren Neuentdeckung in der Schweiz. "Rusconi". Einen ersten Echo hat Stefan Rusconi bereits eingeheimst. Nun ist bei ihm "Revolution". Ein wunderbar erfrischendes Album hat er eingespielt, eins, das faucht und aufbegehrt, eins das Ideen gegeneinander ausspielt, eins, in dem wuchtig krachender Rock, lyrische Melodien, keck gegeneinander gesetzte Rhythmen, vieldeutige Harmoniefolgen aufhorchen lassen. Eins voller Spielwitz und Wagemut, voll stillem Lärm, voll raubeiniger Zärtlichkeit, mit Abenteuerlust gewaschen. Und es ist eins, bei dem - wie vor Jahren bei Radiohead - der Hörer selbst entscheiden kann, wie viel er dafür zahlen mag, wenn er es runterlädt. Viel zu großartig ist die Musik, um nichts dafür zu geben, aber wer möchte, kann auch kostenlos eine Erkundungsreise machen und später alle Freunde begeistern und motivieren, gegen Geld das Album zu erwerben. Hier gibt es das feine Stück, dank dessen wieder neues Leben pulsiert in den Grenzgebieten am Rande des Klaviertrio-Jazz, wo es so still und karg geworden war, seitdem Esbjörn Svensson nicht wieder lebendig auftauchte.

Mittwoch, Februar 29, 2012

Winternacht

Rund und buttergelb ging der Mond auf über dem schwarzen, gezackten Relief des Waldes am Horizont. Eine Frau folgte minutenlang seinem Aufstieg. Stumm, gebannt. Sie saß - komplett in ein langes, schwarzes Gewand gehüllt - am Rande einer Feldwegkreuzung auf einer Bank unterhalb einer Zwillingseiche, deren eng verzweigte Baumkrone wie ein schwarzer, löchriger Vorhang immer wieder den ungetrübten Blick durchbrach.

Die Äcker ringsum lagen tief und festgefroren unter einer dicken Schneeschicht. Die Schwarze stand auf. Um einen freieren Blick nach oben zu haben, entfernte sie sich ein Stück von Bank und Baum, kletterte über vereisten Stacheldraht und wanderte mitten auf ein Feld. Eiskristalle überglitzerten eine Viehtränke zu ihren Füßen. Bei jedem Schritt knirschte der Schnee leise. Sie legte ihren Kopf in den Nacken, stumm, wortlos betrachtend. Inzwischen hatte der Mond die Waldwipfel weit hinter sich gelassen, erschien weiß glänzend am leeren Himmel und erhellte ihn. Endlich verlangsamte er seinen Lauf und warf einen großen Fleck auf den halbüberfrorenen Fluss, der eine Unzahl von Sternen bildete.

Dieser Silberglanz schien sich bis auf den Grund hinabzuwinden wie eine Schlange ohne Kopf, bedeckt mit leuchtenden Schuppen aus geschmolzenen Diamanttropfen. Die kalte Nacht breitete sich um sie aus. Die Schatten der Eiche lagen auf dem Schnee wie dunkle Tücher. Sie atmete mit halb geschlossenen Augen in vollen Zügen den frischen Wind ein, der sie umwehte. Alte Erinnerungen kletterten ihr ins Gedächtnis. Die Zärtlichkeit vergangener Tage durchfloss ihr Herz wie ein bittersüßer Strom. Sie schlich zurück. Zögernd legte sie sich unter der Zwillingseiche nieder. Sie seufzte, den Blick starr nach oben gerichtet. Ihre Kleidung, verschmolz mit den wehmütigen Schatten der Eiche. Sie selbst flog zu den Sternen.

Montag, Februar 27, 2012

Loslegen!

Sonntag, Februar 26, 2012

Mit Mausi geht's bergab

Liebe kann die Fantasie beflügeln. Im Rausch der Glücksgefühle kann der Geist übersprudeln vor zauberhaftesten Vorstellungen. Wie die konkret aussehen, bleibt meist hinter der verspiegelten rosaroten Brille versteckt. Sie gehen ja meist auch höchstens eine weitere Person an. Amouröse Fantasien gehören zu den geheimsten Dingen der Welt, von wenigen Plapperbacken abgesehen, die ihre Vorlieben offen umhertröten.

Wenn die Welt etwas mitbekommt von dem, was der liebestrunkenen Fantasie entsprungen ist, sind es Kosenamen, die sich die Pärchen wechselseitig zuzwitschern, und mit denen sie sich umschnurren. In zartfühlenden, romantischen Wissenschaftlern ist nun vor einigen Jahren die Sehnsucht gekeimt, zu erfahren, wie die liebenden Deutschen einander nennen – mit Hilfe neckischer Strichlisten. Jüngst zum fünften Mal.

Aktuell haben sie herausgefunden: Mit „Mausi“ geht’s bergab, sie ist nur noch auf Rang 5 der häufigsten Kosenamen. Im neckischen Aufwärtswind schwirren weiter gezuckerte Tiernamenverniedlichungen wie „Blütenfloh-Krümelwürmchen“ oder Zuckerbäcker-Kreationen wie „Schokodropsi“. Auf Platz 1 bleibt weiter „Schatz“ oder „Schatzi“, das Ideal-Standard-Becken unter den zärtlichen Bezeichnungen. Die Liebe bietet ja viele Aspekte, in denen die Fantasie sich austoben kann. Muss ja nicht der Kosename sein.

Samstag, Februar 25, 2012

Poldi und die Frage der Qualität

"Ich denke, die Jungs haben ihre Sache sehr gut gemacht, und man sieht, dass wir die Qualität haben, aber am Ende reicht's dann nicht, uns fehlt die Qualität."

Mittwoch, Februar 22, 2012

Konsequentes Quergeschiebe, Querlatte, nutzloser Ballbesitz, die Entdeckung der Langsamkeit zu Ungunsten überraschender Momente und das völlige Verschwinden einer Idee: Für den FC Bayern gilt wohl gerade "Mia san wirr".

Montag, Februar 20, 2012

About "Boy" - Bilder eines Auftritts










Freitag, Februar 17, 2012

Wulff lehrt

"Immer aufrichtig" sein, heißt neuerdings, von sich aus nichts zu sagen - aber zumindest zähneknirschend auf zigfaches Drängen und Nachbohren das Minimum dessen zugegeben, was man nicht mehr abstreiten kann. Dann, wenn man dessen Bekanntwerden nicht unterbinden konnte.

Der Kinostreifen verschwindet allmählich

Mittwoch, Februar 15, 2012

Der Buddha im Schutt























Sein Lächeln hat der kleine Buddha nicht verloren, auch wenn ihm die Wucht der riesigen Explosion vor etwas mehr als einem Jahr den Unterleib wegsprengte, einen seiner Arme abfetzte, und er einen Winter später noch immer im Schutt liegt – alleingelassen zwischen herabgestürzten Styroporplatten, Schnapsflaschen, zersplitterten Glasscheiben und umhergeflogenen Plastikblumen. Er lächelt dasselbe Lächeln, das er den Gästen eines China-Restaurants schenkte, ganz gleich, wer kam, wie er aussah und was er bestellte. Auch am Abend, bevor es geschah. Das, womit nahezu niemand rechnete.

Ein eiskalter Hauch durchwehte die letzte Nacht des Weihnachtsfestes, als es gut zwei Stunden nach Mitternacht krachte. Als Scheiben zersplitterten und Mauern barsten unter der Druckwelle der Explosion, inmitten der schneebedeckten Ödnis am Rand eines ostfriesischen Ortes. Im Schatten der Dunkelheit hatten Gestalten, mit Brandbeschleuniger bepackt, viel Brandbeschleuniger, sich durch die Hintertür ins Gebäude geschlichen.
Irgendwo in die Düsternis der Küche eines italienischen Restaurants, im Erdgeschoss, unterhalb der Räume, in denen chinesisch kredenzt wurde. Dort gossen sie aus, was Minuten später explodierte, und worunter das komplette Gebäude zerbarst.

Die Pizzeria flog im Inferno auseinander, das chinesische Restaurant genauso, von den Räumen der freikirchlichen Gemeinde blieb kaum mehr als Schutt und Schrott. Die Menschen in zwei Wohnungen des Gebäudes kamen mit riesigem Schrecken heil davon. Trümmerteile aber flogen hunderte Meter durch die Gegend, krachten auf Ausstellungsstücken eines Autohauses nieder oder auf Nachbarhäusern.

Die Helfer halfen, wo sie konnten. Die Ermittler ermittelten. Das Areal wurde abgesperrt. Die Ruine des "Palastes", wie das Haus im Volksmund heißt, ragte fortan umzäunt am Straßenrand auf.

Wie es darin aussah? Blieb Sache apokalyptischer Kopfkino-Vorführungen. Noch immer hängt in der Dusche des Hinterhauses ein Handtuch, als käme gleich jemand, um sich zu waschen. Wind bauscht weihnachtliches Lametta, das sich noch immer an einigen Pfeilern emporrankt. Christbaumkugelscherben liegen zwischen zerschepperten Vasen, Überresten eines Aquariums und herausgesprengten Wandputzteilen. Verloren stehen Gefriertruhen umher, das einstige Treppenhaus liegt in Trümmern. Nun, bald, wird die Ruine weichen, die Abrissbager werden ihre Schaufeln ins einsturzgefährdete Gebäude nagen, und sie werden auch den verbliebenen Schutt herausräumen. Wo der Buddha am Ende auch landen wird, sein Lächeln wird er weiter tragen.


Mittwoch, Februar 08, 2012

Gewürze im Gespräch


Sobald er die Küche verlassen hat, stecken die Gewürze ihre Köpfe zusammen. Sich unbeobachtet wähnend, tuscheln sie, tratschen und Hecken Unsinn aus, den sie unbeobachtet verzapfen können.

Montag, Februar 06, 2012

Die Füße des Kumpels für Baku

Müdigkeitsmatt schliefen erst des Kumpels Füße ein, dann erschlaffte die Hand, die Fernbedienung rutschte, fiel, blieb liegen. Unser Star für Baku rieselte fortan. Wer auch immer "unser" sein mag. Die Sendung: So erfrischend wie Heizung auf dreieinhalb stellen. Grob vermutet, dass Moderator Steven Gätjen sich kess und locker fand. Selbst gedacht: "Der ist so schlagfertig wie der taumelnde Homer Simpson im Boxring." Gegähnt. Mehrfach. Dann an Robert Lembke gedacht: "Es gibt Fernsehprogramme, bei denen man seine eingeschlafenen Füße beneidet." Oder die des Kumpels.

Donnerstag, Februar 02, 2012

Sonne unterm Arm


Der Frost fraß sich in die Poren, die Kälte klirrte, Finger froren stocksteif, Glieder schmerzten, als er plötzlich auftauchte: Ein Radfahrer, dem es mit den Minusgraden zu blöd geworden war und dessen Heizkostenrechnung ihm Bauchschmerzen machte, hatte sich einen Teil der Sonne gekrallt und fuhr mit ihr, unter den Arm geklemmt, nach Hause.

Dienstag, Januar 31, 2012

Die Spaß-Roboter

Schon bevor der Zeiger auf die Schnapszahlminute gerutscht ist, hat der Karnevalist drei Runden Schnaps bezahlt. Auch wenn der Abend offiziell noch gar nicht begonnen hat. Nun wankt er mit glühenden Wangen. Schaukelt am Tresen wie eine Jolle in schwerer See und brüllt "Mach nochma ne große Runde Charly klar" zur Wirtin, die fünf Schaufeln Pommes in der Küche in die Fritteuse geworfen hat. Ein ganzes Tablett mit Gläsern, in denen Cola-Weinbrand schwappt, kann er wenig später mit an seinen Tisch nehmen. Gejohl. Schnaps!

Niemand ist Clown, niemand ist Cowboy, heute Abend. Auch keine Biene Maja weit und breit. Das ist tierischer Ernst. Orden dagegen hin oder her. Umso genauer prüft der Präsident, ob seine Narrenkappe auch gerade auf dem Kopf sitzt. Zupft die Uniform zurecht. Ein echter Narr schminkt sich nicht, geht nicht als John Wayne oder Superman.

Beim Zeremonienmeister schmerzt das Knie, und der Bauch spannt unterm Hemd. Der DJ sucht noch die CD mit dem Narhalla-Marsch. Das Wichtigste des Abends, die ewiggleiche Hymne, Wuff-Ta-Ta mit Flötentrillern, Trommelwirbeln. Die Funkemariechen rauchen. Klar, in Uniform. Haare wie Milky-Way-Brotaufstrich. Schaumolweiß gebleichte Strähnchen auf Schwarzbraun lugen unterm Käppchen hervor. Der DJ hat seine CD doch noch gefunden. Der automatische Frohsinn beginnt, abgespulte Heiterkeit, wie ferngesteuert.

Los geht's.Der Zeremonienmeister schwingt den Stock, geht voran. Die Meute im Saal steht auf, stürzt schnell noch den Schnaps runter, klatscht. Riesige Narrenkappendichte. Warum tragen sowas eigentlich nur die Männer, und warum tragen die zudem fast alle Schnurrbart? Trübtassige Blicke, schlaff hängende Lefzen, schmale Lippen. Jede Menge Gastvereine. Ohne die wäre der Saal leer. Nächste Woche im Nachbardorf. Dann ein Dorf weiter. Gleiches Spiel, gleiche Abfolge, andere Vereinsfarben. Aber: Uniformen, Narrenkappen, strenges Programm, Marschieren, Helau, Raketen, verordneter Spaß für Roboter.

Von jetzt an wird abgespult. Marsch an der Meute vorbei auf die Bühne. Der Elferrat strammen Schrittes, die Tanzgarden hopsen mit angewinkelten Beinen, und mit den Armen winken sie, als seien es Scheibenwischer. Der König trägt auch Schnurrbart, schwingt sein Zepter schlapp beim Gehen, als könne er damit den Rasen im Garten kalken. Ist aber kein Kalk drin und kein Rasen da. Elferrat sitzt. In Uniformen. Orden baumeln um den Hals. Zeremonienmeister und Funken hopsen und marschieren wieder runter. Die Meute ruft "Helau" und klatscht. Gehört sich so. Auf der Bühne bleibt die junge Garde. Wird später abgeholt. Schwingt teils teigige Schenkel, nicht immer im Takt. Hoppelt. Wie Duracell-Häschen. Wirft Beine samt Röckchen steil hoch, auf dass die Schnurrbärtigen im Publikum Schlüpfer sehen. Doch will man's? Auswendig gelernte Posen. Teils lückenhaft erinnert. Jedes Mädchen darf sich danach eine Belohnung abholen. Ein bisschen Toffifee als milde Hopsergabe. Gib dem Kaninchen noch eine Möhre - oder dem Affen Zucker.

Weiter in der lustigen, verordneten Abspulfolge. Programmpunkt? Check. Programmpunkt 2? Check. Einmarsch? Check. Ausmarsch? Check. Schnaps? Check. Spaß? Check. Kleines Tanzmariechen kommt. Hoppelt. Schwingt Beine. Zeigt im Schenkelhochreißen, was niemanden etwas angeht. Bekommt auch Toffifee. Wird per Narhalla-Marsch abtransportiert. Büttenrede. "Wir müssen alle nun / immer wieder auch etwas richtig tun / wir müssen uns alle auch kräftig jeden Tag anstrengen / und Lieder singen." Haus. Maus. Klaus. Aus. Toffifee. Marsch. Tanz für alle. Schatzi soll wieder ein Foto schicken. Am besten eins, auf dem man Stühle über dem Kopf trägt.

Auch Mitglieder werden geehrt. Check. Einmarsch. Ehrung. Ausmarsch. Aufstehen. Klatschen. Schnaps ordern. Schnaps trinken. Nächste Büttenrede hören. Oder doch lieber rauchen gehen? Saal leert sich. Redner reimt. Und redet. In der Fritteuse der Köchin schmurgeln Fritten im Fett. Wangen glühen heißer, Blicke eiern glasig. Noch ne Garde, noch ein Tanz, noch ein Toast, noch ein Ei, noch ein Kaffee noch 'n Brei, etwas Marmelade, etwas Konfitüre, ein bisschen Spaß muss sein. Höllehöllehölle. Schweißflecken unter den Achseln in den Uniformen. Schunkeln? Check. Protokoll wird eingehalten. So überraschend wie der Bahn-Fahrplan. Höchstens Verspätungen lockern die strenge Folge. Bis in die frühen Morgenstunden wird das Tanzbein geschwungen. Wird irgendwo in der Zeitung stehen.

Mittwoch, Januar 25, 2012

Mit acht oder neun?


Morgens, wenn das Tal noch unter der Nebeldecke schlief, kletterte er aus dem Bett in die Dunkelheit seines Hauses. Riss ein Streichholz an, und mit einer flackernden Kerze in der Hand, die er mit den Fingern der anderen vor Windböen beschirmte, humpelte er in den Stall. Er warf den Schweinen im Koben ein paar Möhren hin und sah ihnen zu, wie sie schmatzend und grunzend ihre Rüssel in den Schlamm bohrten, der schwappte und klatschte. Dem Pferd im Stall strich er zart über die Nüstern, zupfte einen Heuballen auseinander, um ihm sein Frühstück zu geben. "Es greift mir ans Herz, Dir ein kaltes zu geben, aber es ist nicht zu ändern", sagte er oft, ehe er auch seine Kuh besuchte. Für die schnitt er ein oder zwei Kürbisse auf, setzte sich auf einen alten, abgewetzten Melkschemel und sah ihr zu, wie sie sanft und anmutig mit den Kiefern malmte, am Fruchtfleisch schlürfte. So saß er dann oft eine halbe Stunde oder länger. So früh war kaum jemand wach, der ihn rufen konnte. Und während er saß, kamen plötzlich alte Bilder wieder. Wie ihm einst die Badehose im Freibad geplatzt und er fast ertrunken war. Beim Turmspringen war er abgestürzt wie eine riesige Kartoffel und mit dumpfem Knall aufs Wasser geklatscht. Über seinem Kopf schlugen die Wellen zusammen, prasselnd zerfiel die Fontäne, Wasser schwappte über den Beckenrand, und der Schwimmmeister hatte ihn mit einem Ring an einer Eisenstange aus dem Wasser gefischt. Prustend, Wasser spuckend, nach Luft japsend war er aus dem Wasser getaucht, hatte sich mühsam an den Beckenrand geklammert, während die anderen Kinder seine zerfetzte Badehose "Iiih" schreiend in ein Gebüsch warfen. Er hatte sich nicht mehr aus dem Wasser getraut. Niemand sollte ihn so sehen. Er war so lange im Wasser geblieben, bis der Abend dunkelte, das Becken sich leerte und und seine Haut - von schrumpligen Rillen zerfurcht - aussah wie das Wattenmeer bei Ebbe. Dies alles dachte er, während seine Kuh die Kürbisschnitzel vertilgte, und er fragte sich: "Wann habe ich eigentlich mein Seepferdchen gemacht - mit acht oder neun?"

Montag, Januar 23, 2012

Leise Träume

Der Kakao dampft, während das Weltende vor den Fensterscheiben seine finsteren Vorboten schickt. Düstere Wolken türmen sich ewig nachwachsend auf, kleben über dem Horizont und peitschen ohne nachzulassen Regen hernieder. Kurz hinausblickend, sitzt Du im Schaukelstuhl und träumst von Frühling, von Blumen, die sich aus Vasen auf den Tischen recken, und von Kaffee im Sonnenschein an der frischen Luft, mitten in Berlin.

Freitag, Januar 20, 2012

Passable Passantin

Betäubend kreischte die Métro, wilde Schritte prasselten ringsum. Schlank, in tiefer Neugier, traumumhüllt, schritt sie vorüber, auf den flachen Abgrund hin, üppig hob und wiegte ihre Hand einen Dreierpack Pappkartons.

Leicht und edel hielt sie inne, er aber, ihm war, als trinke er, im Krampf wie ein Verzückter, aus ihrem Auge, einem dunkelglänzenden Smaragd, umwölkt von tiefen Rätseln, voll von betörender Süße und Lust, die bebte.

Ein Blitz, und dann der Moment, als die Tür sich schloss, sie hinter sich bergend, und der stählerne Käfig sie quietschend und rumpelnd fortrriss. Gefühlte Nacht, Momente nach dem Nu, in dem er sich wie neu geboren fühlte.

Anderswo, sehr fern von ihr, niemals vielleicht sähe er sie wieder. Womöglich aber auch nur Stunden später, im sanften Abenddämmer, vor einer Brasserie sitzend - wenn sie mit der Fingerspitze verstreute Zuckerkrümel abseits der Untertasse ihres Kaffees auflas, wie beiläufig, vertieft in Verse über die Morgendämmerung,das Skelett als Ackermann oder eine, die vorüberging.

Sonntag, Januar 15, 2012

Obst als Rettung

Manchmal schreckte sie nachts aus Träumen hoch, weil es irgendwo schepperte und knackte, knallte, schabte, knirschte, klirrte. Auch wenn es nur eine Katze war, die draußen von einer Mülltonne gesprungen war oder ein Torkelnder, der eine Flasche aufs Pflaster gepfeffert hatte: "Einbrecher!", war jedes Mal ihr erster Gedanke und beruhigte sich, indem sie sich sagte: "In so einem Fall ist es immer gut, etwas in der Nachttischschublade zu haben, was wie ein Revolver aussieht. So etwas jagt Räuber schnell in die Flucht." Es mochten nur Bananen sein, aber das Wissen beruhigte sie wie ein leise gesummtes Schlaflied, wie ein starker Arm, in den man sich kuscheln kann. Der Atem ging wieder flacher, und sie fiel zurück in tiefen Schlaf.

Samstag, Januar 14, 2012

Steinzeit, Namen und seltsame Viecher

Vorläufer der heutigen Pferdebremsen haben wahrscheinlich schon genervt, als die Menschen sich noch Felle erlegter Mammuts um die Hüften schlugen und in Höhlen hausten, die sie winters mit Bären teilten. Der Mann musste mit der Keule in der Pranke hinaus ins feindliche Leben, um Wollnashörner zu jagen, während daheim die Frau den Felsboden bohnerte und die Knochen vom Frühstück wegräumte. Wahrscheinlich schon damals haben die meisten Leute das nervige, stechwütige Getier gern verscheucht oder – wenn es allzu arg wurde – totgehauen.

Wenn der wilde Herr der Höhle von der Jagd nach Hause kam, grunzte, knurrte oder brummte er womöglich stolz irgendwas, wenn er erschlagenes Getier nach Hause zerrte. Ob er dafür schon einen Namen hatte? Keiner mag's sagen. Heute aber geben wir ja fast allem Namen. Wer eine Katze hat, nennt sie vielleicht „Miezi“, „Murr“ oder – im Fall von Helge Schneider – „Orang-Utan-Klaus“. Die eigenen Kinder heißen kurz nach ihrer Geburt plötzlich „Göran“, „Lena“ oder „Horst-Sergio“. Mancher gibt auch seinem Auto einen Namen, etwa „Knutschkugel“ oder „Falke“. Fast alles, was Menschen in die Finger bekommen haben, haben sie auch benannt – vielleicht abgesehen von dem Dings, das man vor der Kasse im Supermarkt zwischen die eigenen Einkäufe und den Krams vom Vordermann schiebt. Nur gerüchtehalber nennt man es „Warentrennstab“.

Einen erstaunlichen Trend beim Benennen gibt es seit einiger Zeit hingegen bei neu entdeckten Tieren, die sich nicht zu Hause aufs Sofa kuscheln: Man greift zu Prominenten als Namenspatronen. Einen potthässlichen, fiesen Käfer, der in slowenischen Höhlen auf räuberische Beutezüge geht, benannten Forscher nach Hitler. Jüngst musste – nun ja – David Hasselhoff herhalten, als Wissenschaftler in der Tiefsee der Antarktis eine Krabbe entdeckten. Ob das kälteliebende Krustentier einen lederartigen Rücken hatte, in dem es blinkte, oder ob der sich in der Düsternis der eisigen Fluten mit Schlagern für Wiedervereinigungen einsetzte? Ein Geheimnis.

Jüngst hat der australische Biologe Bryan Lessard eine Pferdebremse gefunden, die einen ach so wunderbaren Hintern haben soll, an dem auch noch goldene Härchen sprießen. Das erinnerte den womöglich leicht verwirrten Forscher an den Po und die Kostüme der Popsängerin „Beyoncé“. In der Steinzeit hätte die feine Dame für solch ein Kompliment vielleicht dem wilden Kerl die Keule entrissen und zugeschlagen. Wer will schon wie ein fieses Stechvieh heißen? Aber es sollte nicht wundern, wenn der Trend weitergeht und bald ein bislang unbekannter, glatter Aal in Kürze neu getauft wird. Vielleicht heißt der dann „Christian Wulff“.

Mittwoch, November 16, 2011

Abstieg


(Foto ist seltsam niedrigauflösend in der Seitendarstellung. Draufklicken machts besser. Klau keineswegs.)

Einfach mal in die Tiefe klettern, treppabwärts in den Untergrund, wohin das rauschende Lied der Stadt nur stille dringt. Die Wellen hoch über sich schwappen lassen. Im Kreis gehen. Sein.

Freitag, November 11, 2011

Spinnt.

Sonntag, Oktober 23, 2011

Skyline von Westrhauderfehn

Freitag, Oktober 21, 2011

Manchmal fühlte Wulnikowski sich wie ein besonderer Wassertropfen. Als vermöge er, auf strahlendere Weise zu schillern, spannendere, lebendigere Bilder zu wecken, die Welt packender und plastischer zu spiegeln als andere. Und doch, schien ihm, als sei er immer wieder dahingeglitten, eher vom Wind dahingeweht, von der Schwerkraft vorwärts gezogen, über Wege, die der geringste Widerstand ihm vorgab. Als habe irgendeine andere Kraft für ihn entschieden, ehe er selbst wusste wohin, als habe er ein Haus bauen können an der Weggabelung, wo es sich zu entscheiden galt, ob nach links oder rechts gehen, die eine oder andere Richtung liegenzulassen, und eben dies schmeckte ihm nicht, und wenn, dann eher bitter. Oder salzig. Wie eine Träne, die auf die Zunge geperlt ist.

Mittwoch, September 21, 2011

It's the end of the band, as we know it.

R.I.P., R.E.M..

Donnerstag, August 04, 2011

Up and away


Bereitmachen zum Abflug. Der Sonne entgegen. Dem Grau entfliehen. Wenigstens für ein paar Tage. Noch ein bisschen Daumendrücken, dass die Fluglotsen sich einigen mit ihren Chefs, und dass zumindest der Hinflug klappt, und dass das Wetter dort hält, was es verspricht. Falls es mit der Rückkehr nicht hinhaut, eröffne ich vielleicht einen Matjes-Stand auf Kreta.

Donnerstag, Juli 21, 2011

Blickmagnet

Irgendwo, Kilometer entfernt, zischt ein Wasserkessel. Nicht mehr lang wird es dauern, und eine Grauhaarige mit Dutt und steifen Knien wird zum Herd humpeln und kochendes Wasser in die Teekanne gießen. Minuten später nur wird Kluntje knistern, während der fuchsbraune Aufguss in die Tasse fließt. Sie wird auf ihn warten. Ihm ein Rahmwölkchen in die Tasse klecksen und weiterwarten. Er aber steht still. Minutenlang. Wohl eine halbe Stunde. Versunken im Horizont, als sei irgendwo in der Ferne ein Magnet, der seinen Blick fesselt.

Sonntag, Juli 17, 2011

Frühherbst?


Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr grau.
Nimm Deinen Schatten von den Sonnenuhren,
und jag' die Wolken fort vorm tiefen Blau.

Befiehl den nächsten Wochen, schön zu sein;
erhör' der frierenden Meute matte Klage,
und schick doch ein paar sonnenreiche Tage,
ein wenig Sommersüße wäre fein.

Wer's Nass nicht satt hat, traut sich selbst nicht mehr.
Wer jetzt nicht flieht, wird lang' verdrossen bleiben.
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Wolken treiben.

Sonntag, Juli 03, 2011

Liebe Kollegen

Liebe Redaktion von Bild.de. Jeden Tag lasst Ihr Franz-Josef Wagner Post an alle Welt schicken, in der er Missstände aus seiner Sicht anprangern darf. Ich habe da auch etwas entdeckt: Eure Berichterstattung über die Frauen-Fußball-WM. Von den elf wichtigsten Frauen im Fußball erzählt Ihr. Die Rangliste habt Ihr erstellt. Und Ihr wollt den Lesern weismachen, dass die Busfahrerin von Bayern München, die Sekretärin von DFB-Präsident Theo Zwanziger und Kanzlerin Angela Merkel dazugehören. Ihr haltet es für berichtenswert, dass Brasilien-Star Marta keinen Sex bei der WM haben wird – zumindest noch nicht weiß, mit wem. Ihr habt nah rangezoomt auf den Hintern einer vermeintlich schönen Schwedin und entdeckt, welche Unterwäsche-Marke sie trägt. In großen Bilderstrecken habt Ihr Fotos von Nachwuchskickerinnen gezeigt, die zwar bei der WM nicht mitspielen, aber für ein Hochglanzmagazin blankgezogen haben. Zwischendurch kann man auch kleinere Berichte über die Spiele lesen und über ein paar sportliche Fähigkeiten. Aber darum geht es auch nicht wirklich bei einem Fußballturnier,
oder?

Freitag, Juli 01, 2011

Es kommt ein Schiff gefahren.... rückwärts

Es ist, wenn Menschen zu Ameisen werden. Wenn es aus der Ferne wirkt, als fahre ein monströses Schiff über Land und quer durch Häuser hindurch. Gestern ist der aktuellste Luxusliner der Meyer-Werft, die "Celebrity Silhouette" von Papenburg auf seine erste Reise gegangen, durch die enge Schleuse, wo links und rechts kaum mehr als ein Meter Platz ist neben dem rund 37 Meter breiten, knapp 320 Meter langen Koloss, und dann rückwärts durch den aufgestauten Fluss.