Montag, August 15, 2005

Eingeklemmt

Die Neonröhren flackern nervös und sirren wie ein Schwarm verirrter Hummeln. Sie sind müde. Wahrscheinlich zuckt ihr Licht schon seit Jahrzehnten durch den düsteren Keller der sozialwissenschaftlichen Bibliothek. Das erste Mal in meinem Leben trete ich nun heute in ihren unruhigen Schein, auf der Suche nach einem Buch, dass es offiziell gibt, das inoffiziell aber unauffindbar ist. Vielleicht steht es hier ja doch. Zum ersten Mal stehe ich vor mobilen Regalen mit riesigen Dreiarmkurbeln, mittels derer man die eng gestaffelten Buchschluchten hin und her wuchten kann. Ich kurble mir den Weg frei, suche und finde sogar das erhoffte Buch, und plötzlich kurbelt jemand anders, und ich fühle mich wie im Kino, wenn in Hollywoodstreifen Wände aufeinander zu kommen, oder die Müllpresse langsam ihren Inhalt zusammenschiebt. Dank bäriger Kräfte schiebe ich die angekurbelten Regale zurück, aber mein Kontrahent kurbelt dagegen an. Wieder drücke ich dagegen, verbreitere den schmalen Spalt, der zur Flucht blieb, und entkomme. Frei flottierende Bücherregale haben ihren sehr eigenen, fast grusligen Charme.

4 Wortmeldung(en):

Anonymous Anonym meint...

Schade, dass Poe diese Rollregale nicht mehr kennenlernen konnte. Grube und Pendel wäre völlig anders ausgefallen.

15/8/05 22:32

 
Blogger Oles wirre Welt meint...

Aber vielleicht ein spannender Anlass, eine Hommage mit neu konzipiertem Ende aus der Taufe zu haben... in der Hoffnung, dass kein Nimmermehrrabe danach auf der Fensterbank erscheint und finster die Missbilligung des lang schon verstorbenen Meisters erahnen lässt. :)

15/8/05 22:51

 
Anonymous Anonym meint...

The Raven
wenigstens bitte
gilt immer.
Genauso.

16/8/05 20:51

 
Blogger Oles wirre Welt meint...

Ich werde mich bemühen.

16/8/05 23:49

 

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