Samstag, Januar 14, 2012

Steinzeit, Namen und seltsame Viecher

Vorläufer der heutigen Pferdebremsen haben wahrscheinlich schon genervt, als die Menschen sich noch Felle erlegter Mammuts um die Hüften schlugen und in Höhlen hausten, die sie winters mit Bären teilten. Der Mann musste mit der Keule in der Pranke hinaus ins feindliche Leben, um Wollnashörner zu jagen, während daheim die Frau den Felsboden bohnerte und die Knochen vom Frühstück wegräumte. Wahrscheinlich schon damals haben die meisten Leute das nervige, stechwütige Getier gern verscheucht oder – wenn es allzu arg wurde – totgehauen.

Wenn der wilde Herr der Höhle von der Jagd nach Hause kam, grunzte, knurrte oder brummte er womöglich stolz irgendwas, wenn er erschlagenes Getier nach Hause zerrte. Ob er dafür schon einen Namen hatte? Keiner mag's sagen. Heute aber geben wir ja fast allem Namen. Wer eine Katze hat, nennt sie vielleicht „Miezi“, „Murr“ oder – im Fall von Helge Schneider – „Orang-Utan-Klaus“. Die eigenen Kinder heißen kurz nach ihrer Geburt plötzlich „Göran“, „Lena“ oder „Horst-Sergio“. Mancher gibt auch seinem Auto einen Namen, etwa „Knutschkugel“ oder „Falke“. Fast alles, was Menschen in die Finger bekommen haben, haben sie auch benannt – vielleicht abgesehen von dem Dings, das man vor der Kasse im Supermarkt zwischen die eigenen Einkäufe und den Krams vom Vordermann schiebt. Nur gerüchtehalber nennt man es „Warentrennstab“.

Einen erstaunlichen Trend beim Benennen gibt es seit einiger Zeit hingegen bei neu entdeckten Tieren, die sich nicht zu Hause aufs Sofa kuscheln: Man greift zu Prominenten als Namenspatronen. Einen potthässlichen, fiesen Käfer, der in slowenischen Höhlen auf räuberische Beutezüge geht, benannten Forscher nach Hitler. Jüngst musste – nun ja – David Hasselhoff herhalten, als Wissenschaftler in der Tiefsee der Antarktis eine Krabbe entdeckten. Ob das kälteliebende Krustentier einen lederartigen Rücken hatte, in dem es blinkte, oder ob der sich in der Düsternis der eisigen Fluten mit Schlagern für Wiedervereinigungen einsetzte? Ein Geheimnis.

Jüngst hat der australische Biologe Bryan Lessard eine Pferdebremse gefunden, die einen ach so wunderbaren Hintern haben soll, an dem auch noch goldene Härchen sprießen. Das erinnerte den womöglich leicht verwirrten Forscher an den Po und die Kostüme der Popsängerin „Beyoncé“. In der Steinzeit hätte die feine Dame für solch ein Kompliment vielleicht dem wilden Kerl die Keule entrissen und zugeschlagen. Wer will schon wie ein fieses Stechvieh heißen? Aber es sollte nicht wundern, wenn der Trend weitergeht und bald ein bislang unbekannter, glatter Aal in Kürze neu getauft wird. Vielleicht heißt der dann „Christian Wulff“.

6 Wortmeldung(en):

Anonymous Auceza meint...

Haha!!!
Die Geschichte mit Beyoncé und der Pferdebremse habe ich auch gelesen und mich ziemlich gewundert.

Ja, ich hätte für so ein "Kompliment" gewiss auch die Keule tanzen lassen. :D

Mir war gar nicht bekannt, dass es noch mehr solcher Fälle von kurioser Namensgebung gegeben hat. O.O

Wirklich interessanter und schön geschriebener Beitrag - Ich freue mich schon auf Deinen nächsten Artikel.

Fröhliche Grüße, Deine Auc :)

14/1/12 15:38

 
Anonymous rulla meint...

so isse die welt...


beim schei...en geht die lüftung an
und für waren gibt es trenner
doch für 30jährige singlefrau'n
gibt es einfach keine männer

(behauptet eine freundin von mir)

:-)

14/1/12 16:29

 
Blogger Oles wirre Welt meint...

@rulla: Ich wette, darauf wird man sich noch nen Reim machen können, und die Malaise wird genesen zu Deinen Gunsten. :)

14/1/12 18:09

 
Blogger Oles wirre Welt meint...

@auzeca: es gibt, glaube ich, noch weit mehr skurrile beispiele dieser art. auch wenn ich sie nur sporadisch recherchiert habe. und: der keulentanz würde völlig zurecht erfolgen! große grüße zurück...

14/1/12 18:12

 
Anonymous Anonym meint...

Ach was für eine nette Geschichte - dann haben wir gleich weitergesucht und ... biopat.de gefunden.

Jaja, so ein "Bufonaria borisbeckeri" hat schon seinen Reiz ;) -

Regengrüße aus dem Süden
beefree

14/1/12 21:39

 
Blogger Oles wirre Welt meint...

Ach stimmt, die Beckerschnecke. :)

Nebelgrüße südwärts

15/1/12 21:02

 

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