"Ich mag es nicht, wenn meine Haare verknoten", sagt Iri, sucht einen Kamm, findet aber nur ein Buch über Tintenfische. Sie vergisst die Haarknoten, blättert und quiekt: "Wem gehört das Tintenfischbuch hier? Ich will ein Tintenfisch sein." Zarah schlurft herein, Kippe im Mundwinkel, eine Lupe in der Hand. "Wieso willst Du ein Tintenfisch sein?" "Tintenfische können die Farbe ihrer Umgebung annehmen, obwohl sie farbenblind sind." "Und Du möchtest gern farbenblind sein?" "Äh... nee. Stimmt. Aber ich wär' gern ein Farbenwandler." "Wer sich wandelt, ist ein Opportunist." "Oder flexibel." "Papperlapapp. Sag mal, bist Du diese Woche nicht dran mit Badputzen?" "Ich? Oh. Ich dachte, wir wär'n da flexibel." "Geht so. Ich meine nur, weil da inzwischen Staubflocken liegen, die sogar als Tintenfische auffallen würden, wenn sie die Farbe ihrer Umgebung annähmen." Iri stockt. "Mach ich gleich. Aber hast Du meinen Kamm gesehen? Ich mag es nicht, wenn meine Haare verknoten." "Ach ja. Den hab' ich gestern kaputt gemacht. Ich bin mit Ronni Gassi gegangen, der hat sich in einer Pfütze gerollt, in der zwei Kaugummis lagen, und die klebten hinterher im Fell fest. Da wollt ich die mit Deinem Kamm rausfriemeln, aber die waren hart und Dein Plastikkamm brüchig, und nun ist Dein Kamm im Müllsack, unten auf der Straße." "Ey, das war'n Geschenk. Nimm doch Deinen eigenen." "Hab ich nicht gefunden." Zarah zieht an ihrer Zigarette, Iri verzieht das Gesicht. "Doof. und was machst Du mit der Lupe?" "Ich suche meinen eigenen Kamm." "Erfolglos?" "Ja." Doof." "Stimmt. Auch das mit dem Bad." "Das auch, ja. Und doof, dass ich kein Tintenfisch sein kann."
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