Samstag, September 04, 2004

Oma tastete Melodien wie Flötisten in Besancon, während ich unfreiwillig Duathlet wurde

Ich war heute sportlich, jawohl! Bei herrlichstem Sonnenschein wollte ich endlich mal richtig die Vorzüge nutzen, dass ich mein Rennrad dabei habe, und es sogar noch frisch repariert ist. Also habe ich mich auf den Drahtesel geschwungen und bin zunächst in die Stadt gefahren. Das erwähne ich nur, weil sich auf dem großen Platz vorm Dom ein ebenso skurriles wie niedliches Bild bot.

Eine alte Oma, von Falten gezeichnet, mit schlohweißem Haar und rosafarbenem Kleidchen (war klar - wir sind in Mainz) war mit einem Motorroller gefahren gekommen, hatte aus ihrem selbstgebauten Anhänger ein billiges CASIO-Keayboard herausgeklaubt, es mühsam aufgebaut und fing an zu spielen. Begleitrhythmus: Polka oder Rock 1 (vielleicht auch Rock 2). Sie schien den Rhythmus nicht gut hören zu können, zumindest maß sie ihm keinerlei Beachtung bei. Der Rhythmus polterte metrisch genau vorwärts, Oma hingegen hörte zwischendurch auf, dachte nach, spielte weiter. Es wirkte wie eine endlose Improvisation in Terzen, ob es bekannte Stücke waren, die ich hätte kennen müssen, weiß ich nicht.

Es erinnerte in der Ziellosigkeit der Melodieführung ein wenig an den legendären Flötenspieler aus Besancon vor dem Brautmodengeschäft mit den Wittenberger Gelben Seiten und dem Telefonbuch von Freiburg.

Wem die Legende unbekannt ist, dem helfe ich beizeiten gern auf die Sprünge.

Danach düste ich mit meinem Rad rheinaufwärts gen Süden, zischte an sich bräunenden Pärchen und schicken Soja- und Zementfabriken vorbei, unter Brücken durch... tolles Wetter, gute Laune, nette Strecke. Ungewollterweise wurde nach ca. 20km Fahrt mein sportlicher Ehrgeiz zum Duathlon gezwungen. Denn: Zack! Platten im Hinterrad, Flickzeug vergessen, kein Geld dabei, kein Handy, nicht einmal die Monatskarte für den Bus. Das hieß: 20km zu Fuß zurück laufen.

Bei dem schönen Wetter nicht die größte, vorstellbare Qual. Aber es war in der eigentlichen Zeitplanung so nicht vorgesehen. Nun gut, unverhofft kommt eben doch meist dann, wenn man nicht damit rechnet.

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