Dienstag, Februar 10, 2009

Seltsame Freunde (I)

Eisige Regenfäden durchweben den Blick in die verschachtelten Gassen der Altstadt unterhalb des Rathauses. Streusalzkörner knirschen unter den Schuhsohlen, und Wulnikowski presst die Lippen aufeinander. Er hat seine Mütze vergessen. Nun landen halb gefrorene Tropfen in seinem Nacken und perlen den Nacken hinab. Flüchtige Gestalten ducken sich unter Schirme, verbergen ihre Gesichter in eng zugezogenen Kapuzen und huschen vorwärts. Es ist Sonntagnachmittag, die Geschäfte sind geschlossen, auch kein offenes Café in Reichweite. Wulnikowski stellt sich unter - im Eingang eines Schlachtergeschäfts. Zwei Fliegen tanzen in der Auslage auf einer beilzerteilten Keule, als ein Kleinwagen aus einer Seitenstraße biegt und direkt vor dem Rathaus parkt.

Zwei junge Männer mit struppigen Oberlippenbärten steigen aus, öffnen die Kofferraumklappe und zerren wohl fünf prall gefüllte, graue Müllsäcke heraus, die sie die Rathaustreppen hinauf hieven. Auch eine Bierkiste wuchten sie an den Fuß der Treppe. Dann öffnen sie die Beifahrertür und ziehen eine dritte Person heraus – fast zwei Meter groß, die Hände mit Handschellen gefesselt, das Gesicht unter einer goldenen Gummimaske verborgen. Sie erinnert Wulnikowski ein wenig an „C3PO“, den watschelnden Roboter aus den Star-Wars-Filmen.

Aus anderen Gassen kommen zwei weitere junge Männer und drei Frauen hinzu, umstellen den Maskenmann, bleiben stehen und lachen. Dann klettern die zwei Erstgekommenen die Treppe erneut hinauf und reißen einen Müllsack nach dem nächsten auf. Abertausende kleiner Kronkorken und anderer Flaschendeckel klirren und klappern, als sie treppabwärts stürzen und in kleinen Hügelketten auf den Stufen liegen bleiben. Wulnikowski reibt sich die Schläfen, kräuselt die Stirn, und er wundert sich umso mehr, als die goldene Gummimaske nun die Treppe hochkraxeln muss, dort eine winzige Nagelbürste in die Hand gedrückt bekommt und plötzlich niederkniet, um mit den kurzen Borsten die Blechdeckel abwärts zu fegen.

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5 Wortmeldung(en):

Anonymous Anonym meint...

Herr Pasteur kam ja darum herum! Völlig ohne Grund...

10/2/09 21:26

 
Blogger me. meint...

das sind wahrhaftig seltsame freunde. wer traegt denn heutzutage noch struppige oberlippenbaerte?!

11/2/09 16:12

 
Blogger Nina meint...

Das sind aber doofe Sachen, die man als lediger Mann von 30 Lenzen zur Belustigung meist schlecht leierter Freunde machen muß!Das ist einfach nur die Rache der unglücklichen Flatratepopper!

11/2/09 19:41

 
Blogger riarulala meint...

hey ole, schön, mal wieder mehr von dir zu lesen :-)

14/2/09 01:53

 
Anonymous Needa meint...

Bleibt noch anzumerken, daß sich unter der güldenen Maske ein nicht minder struppiger Oberlippenbart verbrigt, dessen Träger nur Tage vorher dies obskure Ritual den anderen Bartträgern angedeihen ließ. Ein Kult? Eine Verschwörung? Nix genaues weiß man. ;)

PS: Schön wieder von Dir zu lesen!

19/2/09 11:28

 

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