Dienstag, Mai 24, 2005

In der Mensa

Ein unübersichtliches Knäuel junger Menschen klemmt sich täglich zur Atzung in die heiligen Hallen der Mensa, pfropft sich wie Sardinen in der Dose in die Menschenmenge, stellt sich in überkreuzverknoteten Schlangen an, balanciert akrobatisch Tabletts mit heißem, fettigem Essen über die Köpfe der Menge hinweg auf dem Weg zur Kasse und danach einem Platz zum Verspeisen in dichtgedrängter Enge. Bekittelte Frauen mit einem Gesichtsausdruck wie grauer Joghurt schöpfen wie Fließbandarbeiter gleichmütig und begeisterungslos kleine Häufchen Kroketten in Porzellanschälchen, Schnitzel auf Teller, Sauce auf Schnitzel, schieben Salat- und Dessertschälchen nach, tippen stoisch Gerichtfolgen in die Kasse. Endlose Bewegungsschleifen, leicht variierte Wiederholungen des Ewiggleichen.

Schlangen verschieben sich, bilden sich neu, wachsen, schrumpfen, verschwinden. Teller klappern, Besteck klirrt. Über allem liegt ein undurchhörbares Stimmengewirr, Gesprächsfäden verknoten sich zu einem riesigen Geräuschknäuel, Lautfetzen erreichen das Ohr wie eine bunte surreale Klangcollage, gehen quer durcheinander, verhaken sich, brechen ab, beginnen an anderer Stelle erneut. Plätzetauschen fast wie bei Kinderspielen. Kommen und gehen. Rucksäcke plumpsen zu Boden, Blicke irren umher, suchend, später findend, manchmal ratlos, unsicher, einsam, zweisam, ziellos, unscharf. Dirk sitzt mir gegenüber redet von Loki und Helmut Schmidt, dem "Kettenraucher". Ich spitze die Ohren, versuche die Silben zu erfassen, verliere den Anschluss, runzle die Stirn. Wieso ist Helmut Schmidt ein "Campingkocher"? Schallendes Gelächter, als der Verhörer öffentlich wird. Neues Wort gelernt: "Nießbrauch". Nie zuvor gehört, nie gebraucht, wahrscheinlich hat das Wort in meinem Mund keine Zukunft. Allzuviele Situationen habe ich noch nicht ersinnen können, in denen es schick, wäre, Nießbrauch einzustreuen. Ansonsten: Leute getroffen, Bekannte gegrüßt, Platitüden ausgetauscht, schöne Tage gewünscht, das Fahrrad gesucht, den Weg nach Hause gefunden.

7 Wortmeldung(en):

Blogger die Unbekannte meint...

Ich glaube ich weiß, was ich in den nächsten Tagen machen werde.
Mensageräusche auf Band festhalten, abmischen, auf einen Tonträger meiner Wahl pressen lassen und auf den Markt bringen. Es gibt garantiert genügend arbeitslose Akademiker, die ihrer Universitätszeit hinterhertrauern und durch die "Guten Hunger! Essen fassen!"-CD an alte Zeiten zurückerinnert werden.. Toll! Ich werde reich.. :)

24/5/05 17:09

 
Anonymous Finja meint...

und ich sollte mal in die mensa gehn...

24/5/05 20:13

 
Anonymous Onkel Tank meint...

Ich glaube das letzte mal war ich Anfang bis Mitte des Wintersemesters in der Mensa. Ich hatte einfach keine Lust mehr sich nur von fritiertem Essen zu ernähren! Wenn man pech hat besteht ja mal nen ganzes Menu nur aus fritiertem zeuch ... schnitzel fritiert mit pommes fritiert und dazu noch irgendweches gemüse was wahrscheinlich auch schon in der friteuse gelandet ist ... schlimm sowas ... dann doch lieber zuhause nen schnitzel ausser pfanne und die pommes ausm ofen :-)

24/5/05 21:50

 
Anonymous Neo-Bazi meint...

Der Student geht solange zur Mensa bis er bricht.

26/5/05 09:05

 
Blogger Weltregierung meint...

sicherinnern

26/5/05 16:22

 
Blogger Weltregierung meint...

ich erinnere mich mit schrecken an eine kleine Mensa in der nicht einmal die ungewürzten Gurkenscheiben wie ungewürzte Gurkenscheiben
schmeckten.

Ich bekkenne: in 7 Semestern nur dreimal in der Mensa gegessen.

Allah praise the döner Kebab!
Uludag is sein Prophet!

- Blasphemieregierung.

26/5/05 16:24

 
Blogger Oles wirre Welt meint...

Auf ein paar mal häufiger bring ich's da schon. Immerhin ist der Salat in der Mensa auch nicht fritiert - den kann man essen, wenn man die Dressings mag oder weglässt.

26/5/05 17:08

 

Kommentar veröffentlichen

<< Home