Sonntag, Januar 15, 2006

Der Un-TagTM (I)

Unverhofft kommt manchmal häufiger als man denkt und in aller Regel dann, wenn man nicht damit rechnet. Insgeheim kritzelt man sich heimliche Wünsche, Sehnsüchte und Erwartungen in gedankliche Kladden, guckt nochmal ins täglich dicker werdende Routinebuch der bisherigen Erfahrungen und versucht zu erraten, was kommen mag. Sobald die erwartete Zukunft zur erlebten Gegenwart wird und kaum später schon die erfahrene Vergangenheit geworden ist, wird abgeglichen. Was habe ich mir erhofft und erwartet? Was ist eingetreten, was nicht? Welche Überraschungen sind hereingebrochen, weil man den Zufall im Sandkasten nicht mitspielen lassen hat? Am Ende von Zeitspannen schweift der Blick zurück zur Erlebnis-Inventur, räsonierendes Resümieren, das Fazit wird zurechtgezogen. Passiert ist heute das ein oder andere. Gestern auch und auch davor eine Menge. Doch was ist mir heute nicht passiert?

Ich bin keinem hornbebrillten Schnurrbartträger in violettem Filzmantel begegnet, dem Marillenknödel aus dem Hemdkragen guckten.

Ich habe keine unerwartete Einladung für ein Hummerbüffet von der Regierung des Pseudowinzstaates Sealand bekommen.

Ich habe trotz Bärenkräften und Händen wie Kneifzangen keinen Wasserhahn zerbrochen.

Es lagen weder plötzlich ein Rettungsring der DGzRS noch eine Packung Reißzwecken oder eine Rosmarin-Sprudelbad-Tablette in roter Alufolie in unserem Kühlschrank.

Ulla Kock am Brink hat nicht an unserer Wohnungstür geklingelt, um Window-Colour-Bildchen mit Mistforken-Motiven für den Kampf gegen das Waldsterben zu verkaufen.

15 Wortmeldung(en):

Anonymous Dudu meint...

Faszinierend.
Wünsche, ähnlich wie Pläne, geistige Vorwegnahme geplanten Handelns, nur dass die Gefahr beim Wunsch wesentlich geringer ist, dass das herbeigedachte Ereignis wirklich eintritt. Was ja auch ganz gut so ist - zumindest in vielen Fällen.
Oder sprichst Du von Türen, die sich öffnen, wenn andere sich schließen? So oder so...faszinierend. Einfach mal gehen lassen. Geschehen lassen. Wer weiß, was noch alles passiert.

15/1/06 22:45

 
Anonymous dolce vita meint...

Das ist ja mal eine lustige Herangehensweise. Sehr interessant der Herr, auch wenn ich nicht alles ernst nehmen kann.

16/1/06 00:05

 
Blogger Oles wirre Welt meint...

@dudu: Ich bin mir nicht ganz sicher, schaue noch mal nach... und stelle fest: Wortwörtlich von Türen geschrieben habe ich im Beitrag vor diesem. Alles Andere überlasse ich den Augen des Betrachters. :)

16/1/06 08:30

 
Anonymous glam meint...

sei doch froh. ich war nämlich zu hause als die blöde ulla klingelte. meine fenster sollteste mal sehn... und eben schau ich nach und - hat die mir doch glatt die marillenknödel aus dem mantel geklaut.

16/1/06 09:04

 
Blogger Oles wirre Welt meint...

Skandal (im Sperrbezirk?)! Wusste gar nicht, dass Du Hornbrille trägst, Glam. :)

16/1/06 09:07

 
Anonymous sabbeljan meint...

habe mal vor langer zeit einen virtuellen gedenkstein aufgestellt fuer alle blogeintraege, die nicht gemacht wurden.

16/1/06 10:16

 
Blogger Oles wirre Welt meint...

Wenn jeder nicht geschriebene Beitrag dort auch namentlich vermerkt ist, dürfte er vor Buchstabenüberfüllung inzwischen kaum noch lesbar sein.

16/1/06 11:08

 
Anonymous sabbeljan meint...

da man die namen der beitraege nicht kennt (oder doch?), ist der stein schon ueberwuchert und fristet sein dasein in meinem archiv.

16/1/06 11:11

 
Blogger Oles wirre Welt meint...

fast wie Mozart im Armengrab...

16/1/06 11:12

 
Anonymous burnster meint...

Mir ist heute auch echt was Blödes nicht passiert: der Wecker hat nicht geklingelt.

16/1/06 12:06

 
Blogger Oles wirre Welt meint...

Das war ja (nicht) unpraktisch.

16/1/06 12:30

 
Blogger grr meint...

danke für die Korrektur. Im Namen der Wahrheit bitte ich inbrünstig um Entschuldigung!

16/1/06 13:20

 
Blogger Oles wirre Welt meint...

Überhaupt kein Ding. Obwohl ich selbst lang hab raten müssen, was Du überhaupt gemeint hast. :)

16/1/06 13:26

 
Anonymous dieJulia meint...

Das mit Mozart und dem Armengrab ist übrigens quasi eine Urban Legend: er wurde ganz normal bestattet. Wollt ich nur mal so vermeldet haben.

16/1/06 17:05

 
Blogger Oles wirre Welt meint...

Darüber streitet sich die Wissenschaft ja noch immer. Erst jüngst berichtete die WAZ vom Wiener Schachtgrab, in das Mozarts Leichnam 1791 geworfen worden sein soll, ehe sein vermeintlicher Schädel, der der seinige wohl nicht war, durch den Totengräber Joseph Rothmayer zehn Jahre nach Mozarts Tod aus dem Schachtgrab des Friedhofs St. Marx in Wien wieder exhumiert wurde. Eine DNA-Analyse hat ja keine Verwandschaft feststellen können. :)

16/1/06 17:36

 

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