Sonntag, Januar 30, 2005

Das Weltende der Bratwurstbuden

Feine Sache, netten Freundschaftsbesuch aus der Heimat zu bekommen. Und als ich diese(n) heute zum Bahnhof brachte, fiel es mir wie Schafskäsekrümel aus dem Fladenbrot: Der Münsteraner Bahnhof ist a) nachwievor enorm hässlich und b) inzwischen ein Mekka der dönertierverarbeitenden Industrie. Über zwanzig Dönerbuden habe ich im Umkreis des Bahnhofs ausgemacht. Und nicht nur im Angebot, sondern auch namentlich ähneln sich die Rotationsspießgrillbuden zum Teil frappierend: Besonders kreativ dabei sind "Döner King" und "King Döner". Zweiterer scheint mehr Wert auf den Adelstitel, ersterer mehr Wert auf Döner zu legen. Gab es je königliche Döner-Hoflieferanten?

Interessant in diesem Zusammenhang ist auch ein Plädoyer für die teutonische Imbisskultur, das ich vor Monaten in diesem Zusammenhang in der Lokalzeitung gelesen habe. Der Wetterer ereiferte sich dabei darüber, dass die gute deutsche Pommes Schranke, Currywurst, Brathähnchen und Krakauer zunehmend Dörüms, Köftes und Falafeln weichen muss. Ein wohlgenährter Herzog zu Schaumburg-Lippe mit Falafelresten im Bart hätte diesem Herrn sicherlich den tobenden Schaum der Entrüstung um die Mundwinkel gezaubert.Die lodernde Flamme seiner Hassattacken hatte sich daran entzündet, dass Charlotte I & II, zwei legendäre Imbisse Münsters nun "Shahin" heißen und der "Wienerwald" seit kurzem das "Kebap-Haus" ist. Lähmende Angst, dass der Mantateller womöglich in Bälde nur noch in den Geschichtsbüchern, nicht aber in der Nähe des Münsteraner Bahnhofs zu finden sein könnte.

Ein Horror-Szenario! Der Himmel verfinstert sich, Wolken türmen sich auf wie Riesengebirge, ein tosender Sturm bricht los, es regnet Feuer und Asche, die vier apokalyptischen Reiter durchqueren den Himmel und was haben sie als Reiseproviant dabei? Richtig, Döner. Die Fastfoodapokalyse. Wie auch immer. Wohl bekomm's.

6 Wortmeldung(en):

Blogger Turnschuhmädel meint...

Das heisst dann wohl Globalisierung. Wobei ich fest an die Dönermafia glaube. Wobei mir wiederum einfällt, dass angeblich in über 80% der Döner Darmstadts Spermien enthalten sind. Jan sagt, dass sei der Grund, warum er sich beim Dönererwerb immer so einschleime. Kebap-Eck als Anlaufstelle für schwer verwirrte Single-nicht-Muttersprachler. Döner machen Leute.
Alle Bahnhöfe sind hässlich. Und eigentlich auch alle Dönerbuden. Aber ist ja eigentlich egal. Meine Dönerbude hätte aber einen viel originelleren Namen. Döner König zum Beispiel.
Auch ich sage
Wohl bekomm's!

31/1/05 17:36

 
Blogger Oles wirre Welt meint...

Köner Ding, Köner Dönig? Ködö Nernig? Kingner Dö?

1/2/05 15:38

 
Anonymous Ingo meint...

Hallo Ole,

diese Story gefällt mir. Warum? Kann ich jetzt auf die Schnelle nicht sagen.

Auch einige andere sind sehr gelungen. Welche? Auch gerade keine Zeit. Wie gesagt: Vielleicht würde ich sie mir öfter durchlesen, wenn sie bisweilen etwas schnörkelloser wären. Zugegeben, eine schwache Ausrede, aber wenigstens keine alte...

So jetzt muss ich ins Bett. (Alte Ausrede!)

Wollte wenigstens noch den versprochenen Eintrag abliefern. Vielleicht finde ich im einsamen Berlin mehr Zeit, dir etwas zu schreiben (kein Versprechen ;-)))

Gruß,

Ingo

P.S.: Der Dönder Kebap wurde ja bekanntlich in Berlin erfunden. Mittlerweile gibt es in ganz Deutschland immerhin schon sechs Dönerbuden. Die letzte wurde in Münster an der Hammer Straße eröffnet: "Berlin Dönder 6". Damit ich wenigstens noch was zum Thema sage...

13/2/05 01:03

 
Anonymous Ingo meint...

Heißt natürlich Döner und nicht Dönder, das ist keine Abart aus Pferdefleisch der Apokalyptischen Reiter oder so, nur ein Tippfehler...

13/2/05 01:06

 
Blogger Oles wirre Welt meint...

Wurde dann King Döner vom King erfunden?

Was die Schnörkellosigkeit betrifft, so werde ich sehen, was sich tun lässt und ich tun will. Ich war in letzter Zeit ab und zu auch mal betrunken. Insofern könnte ich etwas nüchterner schreiben. Nachrichtlichen Stil gibt es hingegen im deutschen Blätterwald eh schon genug. Dem werde ich mich nicht andienen.

13/2/05 23:15

 
Blogger Markus Quint meint...

Es ist gut, dass du deine Texte nach wie vor nicht im Nachrichtenstil schreibst! Die Regeln für einen Gebrauchstext sind erlernbar. Die Regeln für Phantasie nicht - denn sie besitzt keine.

19/3/07 20:10

 

Kommentar veröffentlichen

<< Home