Freitag, April 01, 2005

Frühlingsfoppen als Lieblingshobby

Etwas, woran ich mich schon seit frühester Kindheit gefreut habe, sind Aprilscherze. Der Schalk steckte mir schon als Zweieinhalbkäsehoch im Nacken.

Insofern rufe ich hier spontan zur Aprilscherz-Competition auf und lege vor mit einigen liebgewonnenen Aprilscherzen der letzten Jahre.

Aufsehen erregend war ein zu früher Aprilscherz vor drei Jahren. Ich machte derzeit ein Praktikum bei der Lokalzeitung des G.A. in R., wo zu dem Zeitpunkt auch J., ein sehr guter Freund von mir, volontierte und mich täglich mit dem Auto zur Arbeit mitnahm. Nun saßen wir um den 23. März herum mit einigen Kollegen in der benachbarten Pizzeria beim Mittagessen und einige der Redakteure zogen mit bedauernder Miene ihre Schultern hoch, als sie beklagten, dass der erste April des Jahres auf einen Ostermontag fiel. Sprich: Keinerlei "Enten", keine Aprilscherzmöglichkeiten in der Zeitung. Schade.

Ich war schon vormittags mit meinen Texten fertig und hatte insofern nichts mehr zu tun, musste aber noch warten, bis J. ebenfalls sein Tagespensum vollbracht hatte. Während ich so tatenlos vor dem Bildschirm saß, stach mich spontan der Hafer und ich dachte: "Ich schreib jetzt einfach mal eine Quatsch-Meldung. Wenn schon keine Enten in die Zeitung können, stelle ich einfach eine ins Redaktions-System, damit sich ein paar Redakteure amüsieren können."

Gedacht, getan. Heraus kam folgende Meldung:

Biber nagen jetzt zu dritt

Idafehn. Sand ins Getriebe der jahrelang unerfüllten Sehnsucht auf Nachwuchs streute der Storch Adebar gestern einer Biberfamilie am Idasee. Die beiden hochverschuldeten Nager nahmen das Geschenk dankbar entgegen, weil sie sich ein eigenes Kind nicht hätten leisten können. Zur Gewöhnung an die neue Umgebung wurde das Biberjunge vorerst auf einen dreiwöchigen Tauchlehrgang mit Überlebenstraining in das Freizeitzentrum Center Parcs "De Huttenheugte" geschickt.

Als ich J. mein opus obscurum zeigte, runzelte er skeptisch die Stirn. Ich möge das Ding doch lieber wieder löschen. Man wisse ja nie. Ich wollte, aber ich vergaß es. Drei Tage später kamen wir morgens zum Dienst und die gesamte Redaktion war gezeichnet von ahnungsloser Verwirrung, verschmitztem Schmunzeln und Fassungslosigkeit. Spontan reichte man uns eine druckfrische Zeitung, zeigte mit dem Finger auf eine unscheinbare Spalte am Rand der Lokalseite und fragte: "Hat einer von Euch beiden ne Ahnung, was und vor allem von wem das ist???"

Ich las. "Biber nagen jetzt zu dritt..." Huch.

Das Ding stand tatsächlich in der Zeitung! Der verantwortliche Redakteur hatte noch Platz zu füllen und nur die Überschrift gelesen. Da die Meldung vom Platz her gut passte, platzierte er die Meldung. Aber: Drei Leute inclusive des Chefredakteurs hatten die Seite gegengelesen! Ein Redakteur, der Wochenenddienst hatte, wäre sogar noch fast zu dem moorbrackigen Badesee gefahren und hatte das Biber-Ehepaar fotografieren wollen - unwissen, dass Biber sich eigentlich immer in Fließendgewässern aufhalten und im Moorsee war wenig Fluss.

Auf durchaus humorvolle Art und Weise habe ich es quasi geschafft, die (Un-)Sorgfältigkeit bei der Produktion einer Provinzzeitung aufzudecken. Wirklichen Ärger bekommen habe ich keinen. Die Meldung hingegen hat es an dem Tag sogar bis in den NDR geschafft, wo sie vorgelesen wurde.

Auch schön war der Scherz im letzten Jahr, als ich gemeinsam mit C. unten in den Kellergewölben des Uni-Radios über einem gelungenen Aprilscherz brütete. Das Uni-Radio liegt unter dem Studentenwerk, direkt am Aasee und spontan kam uns eine Idee, die wir prompt umsetzten. Wir riefen spontan H., einen sehr guten Freund von mir, an und erzählten ihm todernst:

"Mööönsch H., Du musst sofort zum Radio kommen. Das ist einfach unglaublich. Nachdem jetzt ja wochenlang die Sonne geschienen hat oder warum auch immer ist der Aasee ausgetrocknet. So gut wie überhaupt kein Wasser mehr drin. Man kann alte Fahrräder aus dem Schlamm ragen sehen, die Tretboote stecken fest, es stinkt bestialisch und ich wollte sogar schon die Sonnenbrille suchen, die Dir letztes Jahr ins Wasser geplumpst ist!" "Wie jetzt... wirklich? Wirklichwirklich?" "Ja klar, die haben das Wasser scheinbar abgepumpt. Verdunstet sein kann's ja nicht."

Er war derart fasziniert, verblüfft und überrascht, dass er prompt auflegte in dem Plan, sich das Schauspiel anzusehen. Wir mussten extra ein zweites Mal anrufen, erwischten ihn noch zwischen Tür und Angel, damit wir ihm die zwei zentralen Worte sagen konnten: "April, April"

Wer fast, mindestens oder genauso schöne Aprilscherze ersonnen hat: Nur her damit!

4 Wortmeldung(en):

Anonymous claire.delalune meint...

och, schade, daß da nicht noch jemand seine tollsten aprilscherze gepostet hat.
bin immer noch am lachen über die biber...
sind aber auch schwer zu toppen, die zwei hier. klasse!

grüßle,
claire

3/4/05 22:17

 
Blogger Oles wirre Welt meint...

Sehr wahr, sehr schade. Aber immerhin ein netter Gruß von Dir! Aprilscherze sind scheinbar out! :)

4/4/05 02:32

 
Blogger Die beiden am Fenster meint...

Nicht out, aber Partner veräppeln ist langweilig, Kind zu jung und Freunde sind zu intelektuell dafür

4/4/05 22:12

 
Blogger http://www.donnavivace.de meint...

Heute stand in der Welt, dass eine Waage so genau wiegen kann, dass sie sogar Nanogramm anzeigen könnte. Die weightwatchers seien begeistert, weil jetz nach jeder Bewegung und jeder ausgelassenen Mahlzeit die Nanogramme gesammelt werden könnten. Der Autor endete mit der Feststellung, dass man die verlorenen Gramme ja als Nanogesellschaft bezeichnen könne.
Vieleicht könnte man damit auch den dritten Biber großziehen?

1/4/06 16:55

 

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